
Chelsea Galerie Laufen
Einzelausstellung Barbara Wiggli 04.-31.10.2009
Fügungen. Es fügt sich, was sich fügt. Eine Odyssee
Wir brechen auf zu einer Reise. Eine Reise, deren Ziel noch nicht bekannt und auch die Zwischenstationen noch nicht definiert sind. Es ist eine Reise, die sich nach dem Willen und der Lust sowie nach äusseren Einflüssen richtet. Es wird die Neugier sein, die uns zu unerwarteten Begegnungen führt, welche unsere Kreativität, unseren Verstand und unsere kindliche Verspieltheit wecken. Wir werden mit unserem Verlangen, mit Unentschlossenheit, mit Irritation und unserem eigenen Spiegelbild konfrontiert werden. Wir werden einsame Inseln, monolithische Körper, und Raumstationen besuchen und wir werden auf merkwürdige Kreaturen, unentdeckte Zivilisationen und auf unser eigenes Ich stossen. Die Reise kann beginnen.
Die erste Destination führt uns in einen fast quadratischen Raum, in welchem sich zahlreiche ähnlich grosse Objekte in Bodennähe ausgebreitet haben. Sie nehmen jeweils ihren eigenen individuellen Raum ein, scheinen sich aber auch auf ihre Raumnachbarn zu beziehen. Machen wir uns auf die einzelnen Monumente aus der Nähe zu betrachten.
Die Form eines Mohrenkopfs mit einem Sockel zusammenfliessend und lackiert. Eine einzige Form, die sich selbstbewusst präsentiert. Ein schwarz glänzendes Objekt, das wie ein Pilz nach aussen gestülpt ist und dessen Materialität sich kühl anfühlt. Ein wie aus Schleckzeug gebautes Konglomerat, das mit auffällig glänzendroter Farbe nach Aufmerksamkeit fleht. Ein unter Verwendung von Verpackungsmaterial geformtes Objekt, das die Standfläche je nach Bedürfnis verändern kann und somit auch verschiedene Eingänge und Ausgänge bereithält. Ein glänzendes Tal mit flankierenden Erhebungen, dessen Farbbehandlung an Maschinen erinnert. Eine in den Himmel ragende Säule, deren Gipfel von einem organischen Gebilde gekrönt ist.
Es scheinen Zivilisationsspuren zu sein, architektonische Modelle, die wie futuristische Behausungen wirken. Sind es Bausteine einer urbanen Umgebung oder einsam stehende Zufluchtsorte in verlassenen Gebieten? Einige sind einladend und offen für Begegnungen, andere hingegen sind in sich geschlossen und genügen sich selbst.
Ihre unterschiedliche Materialität sticht ins Auge. Absolute Perfektion ohne Makel und scheinbar industrielle Fabrikation kontrastieren mit bewusst zur Schau gestellten Rauheit und der Sichtbarkeit von Verarbeitungsspuren. Von glatt glänzend zu zerklüftet und unregelmässig changieren die taktilen Oberflächen. Die Materialvielfalt kann nicht nur visuell sondern auch haptisch wahrgenommen werden, wobei die Oberflächentemperatur erspürt werden kann. Überraschungsmomente stellen sich ein. Einige Objekte spielen eine sichtbare Materialität vor, aus der sie in Realität nicht geschaffen sind.
Und dann diese Rondellen! In den verschiedensten Farben schweben sie an der Wand, in gleichmässigen Abständen angeordnet leuchten und glänzen sie für uns. Sie stellen sich in den Vordergrund und verlangen die Aufmerksamkeit des Betrachters. Sie wollen gesehen und beachtet werden. Hier bin ich, bewundert mich, ich glänze für euch! Können wir der Versuchung widerstehen?
Wir binden uns an den Masten und segeln in den nächsten Raum
Hier betreten wir eine Welt, in der sich die unterschiedlichsten Kreaturen tummeln. Lebendigkeit stellt sich ein. Waren wir zuvor noch bei in sich abgeschlossenen Formen, scheinen die hier präsenten Objekte dynamisch in den Raum vorzudringen und eine Aktivität des Betrachters einzufordern.
Übereinandergelegte Kissen schmiegen sich aneinander. Sie fliessen wie geschmolzenes Blei, das noch flüssig seinen Weg sucht. Noppen sind erkennbar, die sich durch die weiche Oberfläche abzeichnen. Die organischen Formen scheinen zu Leben. Laden sie uns zu einem Nickerchen ein?
Doch dann ein Reptil!
Oder werden wir nur von unserer Fantasie in die Irre geführt? Rationalität ist gefragt. Verschiedene Grössen von Grundelementen aus rohem Holz gearbeitet fügen sich ineinander Wir können das Objekt als Tunnel sehen, als einen Durchblick, als Hülle für einen geschlossenen Innenraum, oder als Treppe, die stufenweise in die Höhe führt. Ist der Betrachter der Aktivierte oder führt sogar das Objekt ein Eigenleben? Wird es, wenn wir den Raum verlassen, die Wände hochklettern und die Raumgrenzen erkunden? Nein, zügle deine Vorstellungskraft!
Auch hier finden sich Smartiesähnliche Formen an die Wand appliziert. Doch wirken sie hier nicht durch ihre zur Schau gestellte Farbigkeit sondern vielmehr durch die Reflexion der Aussenwelt. Wir werden gespiegelt in der glatten Oberfläche, ob in aller Schärfe oder matt und undeutlich. Wir werden Teil des Bildes und können durch unsere Bewegung das Bild aktiv beeinflussen und verändern. Der Betrachter wird zum Akteur und zum Bildermacher. Er wird reflektiert.
Weiter zum spinnenartigen in kräftigen Farben gehaltenen Parkhaus. Im Zentrum befindet sich der Ausgangsort von welchem aus Rutschbahnen wie Strassen nach aussen führen. Verschiedene Wege sind möglich. Jeder wählt seinen gewünschten. Einige kreuzen sich, andere brechen kurzfristig ab. Hier sind Entscheidungen gefragt.
Die Reise muss weitergehen.
Der dritte Raum kündet sich durch einen beeindruckenden Schattenwurf an, der durch den Türsturz sichtbar wird. Ein architektonisches Element, eine klassische Säule erscheint. Ist dies ein Hinweis, was uns im letzten Raum erwartet?
Umso überraschender ist der Eindruck wenn man den Raum betritt. Man wird überwältigt, fast erschlagen von einer farbenprächtigen Welt, die so nicht erwartet wurde. Abgebrochene Eisschollen, die wie futuristische Formen wirken, sind übereinandergestapelt, als ob sie einem Science Fiction Film entsprungen seien. Diese schroffe Landschaft wird von Mikrowesen bevölkert, die sich der Farbe verschrieben haben. Sie haben sich zu Gruppen formiert, oder führen ein isoliertes Dasein. Sie kommunizieren, agieren und schwadronieren.
Als Zentrum dieser eigenartigen Zivilisation steht ein Ei, gross, prächtig und glänzend wirkt es wie ein sakrales Objekt, das angebetet werden will. Es bildet den Nukleus, den Ursprung allen Treibens, von hier entspringt das Leben, hier wird geboren, hier hat alles seinen Anfang. Die zu Beginn scheinende Unordnung der wuchernden Population entpuppt sich als eine Art Ordnung in verschiedenen Sektoren. Ein städtischer, urbaner Bereich mit dem Ei als Zentrum und Anziehungspunkt, rundherum kleinere Agglomerationen oder Vorstädte, die in sich wieder funktionieren. Die Eisblöcke werden zur dekonstruktivistischen Architektur, gebaut als Wolkenbügel, oder erdacht als urbanistische Utopie.
Wo ist Penelope?
Chelsea Galerie Laufen
Einzelausstellung Barbara Wiggli 04.-31.10.2009
Fügungen. Es fügt sich, was sich fügt. Eine Odyssee
Wir brechen auf zu einer Reise. Eine Reise, deren Ziel noch nicht bekannt und auch die Zwischenstationen noch nicht definiert sind. Es ist eine Reise, die sich nach dem Willen und der Lust sowie nach äusseren Einflüssen richtet. Es wird die Neugier sein, die uns zu unerwarteten Begegnungen führt, welche unsere Kreativität, unseren Verstand und unsere kindliche Verspieltheit wecken. Wir werden mit unserem Verlangen, mit Unentschlossenheit, mit Irritation und unserem eigenen Spiegelbild konfrontiert werden. Wir werden einsame Inseln, monolithische Körper, und Raumstationen besuchen und wir werden auf merkwürdige Kreaturen, unentdeckte Zivilisationen und auf unser eigenes Ich stossen. Die Reise kann beginnen.
Die erste Destination führt uns in einen fast quadratischen Raum, in welchem sich zahlreiche ähnlich grosse Objekte in Bodennähe ausgebreitet haben. Sie nehmen jeweils ihren eigenen individuellen Raum ein, scheinen sich aber auch auf ihre Raumnachbarn zu beziehen. Machen wir uns auf die einzelnen Monumente aus der Nähe zu betrachten.
Die Form eines Mohrenkopfs mit einem Sockel zusammenfliessend und lackiert. Eine einzige Form, die sich selbstbewusst präsentiert. Ein schwarz glänzendes Objekt, das wie ein Pilz nach aussen gestülpt ist und dessen Materialität sich kühl anfühlt. Ein wie aus Schleckzeug gebautes Konglomerat, das mit auffällig glänzendroter Farbe nach Aufmerksamkeit fleht. Ein unter Verwendung von Verpackungsmaterial geformtes Objekt, das die Standfläche je nach Bedürfnis verändern kann und somit auch verschiedene Eingänge und Ausgänge bereithält. Ein glänzendes Tal mit flankierenden Erhebungen, dessen Farbbehandlung an Maschinen erinnert. Eine in den Himmel ragende Säule, deren Gipfel von einem organischen Gebilde gekrönt ist.
Es scheinen Zivilisationsspuren zu sein, architektonische Modelle, die wie futuristische Behausungen wirken. Sind es Bausteine einer urbanen Umgebung oder einsam stehende Zufluchtsorte in verlassenen Gebieten? Einige sind einladend und offen für Begegnungen, andere hingegen sind in sich geschlossen und genügen sich selbst.
Ihre unterschiedliche Materialität sticht ins Auge. Absolute Perfektion ohne Makel und scheinbar industrielle Fabrikation kontrastieren mit bewusst zur Schau gestellten Rauheit und der Sichtbarkeit von Verarbeitungsspuren. Von glatt glänzend zu zerklüftet und unregelmässig changieren die taktilen Oberflächen. Die Materialvielfalt kann nicht nur visuell sondern auch haptisch wahrgenommen werden, wobei die Oberflächentemperatur erspürt werden kann. Überraschungsmomente stellen sich ein. Einige Objekte spielen eine sichtbare Materialität vor, aus der sie in Realität nicht geschaffen sind.
Und dann diese Rondellen! In den verschiedensten Farben schweben sie an der Wand, in gleichmässigen Abständen angeordnet leuchten und glänzen sie für uns. Sie stellen sich in den Vordergrund und verlangen die Aufmerksamkeit des Betrachters. Sie wollen gesehen und beachtet werden. Hier bin ich, bewundert mich, ich glänze für euch! Können wir der Versuchung widerstehen?
Wir binden uns an den Masten und segeln in den nächsten Raum
Hier betreten wir eine Welt, in der sich die unterschiedlichsten Kreaturen tummeln. Lebendigkeit stellt sich ein. Waren wir zuvor noch bei in sich abgeschlossenen Formen, scheinen die hier präsenten Objekte dynamisch in den Raum vorzudringen und eine Aktivität des Betrachters einzufordern.
Übereinandergelegte Kissen schmiegen sich aneinander. Sie fliessen wie geschmolzenes Blei, das noch flüssig seinen Weg sucht. Noppen sind erkennbar, die sich durch die weiche Oberfläche abzeichnen. Die organischen Formen scheinen zu Leben. Laden sie uns zu einem Nickerchen ein?
Doch dann ein Reptil!
Oder werden wir nur von unserer Fantasie in die Irre geführt? Rationalität ist gefragt. Verschiedene Grössen von Grundelementen aus rohem Holz gearbeitet fügen sich ineinander Wir können das Objekt als Tunnel sehen, als einen Durchblick, als Hülle für einen geschlossenen Innenraum, oder als Treppe, die stufenweise in die Höhe führt. Ist der Betrachter der Aktivierte oder führt sogar das Objekt ein Eigenleben? Wird es, wenn wir den Raum verlassen, die Wände hochklettern und die Raumgrenzen erkunden? Nein, zügle deine Vorstellungskraft!
Auch hier finden sich Smartiesähnliche Formen an die Wand appliziert. Doch wirken sie hier nicht durch ihre zur Schau gestellte Farbigkeit sondern vielmehr durch die Reflexion der Aussenwelt. Wir werden gespiegelt in der glatten Oberfläche, ob in aller Schärfe oder matt und undeutlich. Wir werden Teil des Bildes und können durch unsere Bewegung das Bild aktiv beeinflussen und verändern. Der Betrachter wird zum Akteur und zum Bildermacher. Er wird reflektiert.
Weiter zum spinnenartigen in kräftigen Farben gehaltenen Parkhaus. Im Zentrum befindet sich der Ausgangsort von welchem aus Rutschbahnen wie Strassen nach aussen führen. Verschiedene Wege sind möglich. Jeder wählt seinen gewünschten. Einige kreuzen sich, andere brechen kurzfristig ab. Hier sind Entscheidungen gefragt.
Die Reise muss weitergehen.
Der dritte Raum kündet sich durch einen beeindruckenden Schattenwurf an, der durch den Türsturz sichtbar wird. Ein architektonisches Element, eine klassische Säule erscheint. Ist dies ein Hinweis, was uns im letzten Raum erwartet?
Umso überraschender ist der Eindruck wenn man den Raum betritt. Man wird überwältigt, fast erschlagen von einer farbenprächtigen Welt, die so nicht erwartet wurde. Abgebrochene Eisschollen, die wie futuristische Formen wirken, sind übereinandergestapelt, als ob sie einem Science Fiction Film entsprungen seien. Diese schroffe Landschaft wird von Mikrowesen bevölkert, die sich der Farbe verschrieben haben. Sie haben sich zu Gruppen formiert, oder führen ein isoliertes Dasein. Sie kommunizieren, agieren und schwadronieren.
Als Zentrum dieser eigenartigen Zivilisation steht ein Ei, gross, prächtig und glänzend wirkt es wie ein sakrales Objekt, das angebetet werden will. Es bildet den Nukleus, den Ursprung allen Treibens, von hier entspringt das Leben, hier wird geboren, hier hat alles seinen Anfang. Die zu Beginn scheinende Unordnung der wuchernden Population entpuppt sich als eine Art Ordnung in verschiedenen Sektoren. Ein städtischer, urbaner Bereich mit dem Ei als Zentrum und Anziehungspunkt, rundherum kleinere Agglomerationen oder Vorstädte, die in sich wieder funktionieren. Die Eisblöcke werden zur dekonstruktivistischen Architektur, gebaut als Wolkenbügel, oder erdacht als urbanistische Utopie.
Wo ist Penelope?